Artur Epp, Epfendorf / Schwarzwald, Germany

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Äthiopien 2004

Friedvoll, Felsenkirchen, Flugexkursionen

Der Antrieb für eine Flugreise nach Äthiopien kann sowohl kulturell und religiös fundiert, als auch aus tiefem Interesse für die landschaftliche Schönheit dieses Hochlands in Ostafrika begründet sein. Mein Reiseentschluss war eine Mischung aus beiden, hatte ich doch schon als Junge davon geträumt, einmal am Ursprung des Blauen Nils aus dem Tanasee sein zu können. Die Motorbootrückfahrt vom Nilausfluß zum Ausgangspunkt am Ghion-Hotel in Bahir Dar sollte mir nach einem 6-stündigen Bootsausflug gar noch eine Seekrankheit bescheren, die ich mir keineswegs auf dem Tanasee vorgestellt hatte. Davon aber später, wie der nachmittags aufkommende Wind die Tanasee-oberfläche zu hohem Wellengang aufgewühlt hatte.

 

Die 3000 Jahre alte Kultur Äthiopiens wirft ihre Schatten voraus. Die archäologische Entdeckung des Skeletts von ‚Lucy’, ein vor 3,5 Mio. Jahren im Haddar Valley lebendes weibliches, aufrecht gehendes Geschöpf, enthüllt Äthiopien gar als Wiege der Menschheit. So betitelt nach dem Beatle’s song: ‚Lucy in the sky with Diamonds’ – von Äthiopiern ‚Birkinesh’ (wonderful) genannt und wissenschaftlich ‚Australopithecus afarensis’ bezeichnet.

Als aufgeschlossener Reisefan suchte ich nach Ankunft mit ETHIOPIAN AIRLINES aus Frankfurt auch nach deutschen Spuren in Addis Abeba, der bis zu 2400 Meter hoch gelegenen Hauptstadt des Landes. Einige VW Käfer rollen durch die breiten Asphaltstraßen, das Goethe – Institut liegt beim Nationalmuseum und das Lufthansa Logo leuchtet gegenüber dem Bahnhof an einem Geschäftshaus – das ist schon alles. Eher fallen sowjetrussische Überbleibsel aus der sozialistischen Zeit Äthiopiens auf: Jede Menge Lada Autos, die in blau als Taxis laufen, Lada-Geländewagen, Aeroflotbüro und auf halber Strecke der Churchill Avenue das Revolutionsdenkmal mit dem Fünfzackstern auf der Spitze.

Die Franzosen glänzen mit einem Kulturzentrum an der Churchill Avenue, der ‚Alliance Ethio-Francaise’. Derzeitig ist das französisch sprechende Djibouti der Import- und Exporthafen Äthiopiens für den Warenverkehr. Djibouti wiederum wird durch AIR FRANCE aus Europa wöchentlich angeflogen. Das ehemalige franz. Überseegebiet Djibouti, heute selbständig, verbindet Addis Abeba neben Flügen mit einer über 700 km langen Eisenbahn, die zweimal täglich verkehrt. In die amharische Sprache haben ‚chemise’ für Hemd und ‚chauffeur’ für Fahrer Eingang gefunden.

Die italienischen Momente sind allzeit gegenwärtig, wenn ein Fiat Auto auf der Straße vorbeifährt oder in italienischen Edelstahlkännchen der Tee mit Milch und Zuckerbüchse serviert wird. Die Besetzung Äthiopiens 1935 durch Italien fand 1936 keinen Widerstand beim Völkerbund. 1941 fand dieser Spuk jedoch ein schnelles Ende. Diese kurze Zeit der italienischen Besetzung war die einzige Fremdherrschaft und die Kolonialzeit ging im Gegensatz zu anderen Ländern Afrikas an Äthiopien vorbei.

 

 

Rundreise durch Äthiopien

Wer die gastfreundlichen und liebenswürdigen Ein-wohner auch außerhalb der Hauptstadt kennen-lernen will, sollte sich die historische Route zum Blauen Nil an den Tanasee und Tissisatfälle, Gondar, Axum und Lalibela, das ‚Jerusalem in Afrika’ vornehmen. Nach Rückkher von dieser Route in Addis Abeba arrangiert die örtliche Reiseleitung Sterling Travel gerne einen Abstecher nach Dire Dawa und ins muslimische Harar im Osten und wer mehr als 2 Wochen Zeit hat, sollte insbesondere wegen der Tierwelt den großen Grabenbruch im Süden besuchen.

Meine Route suchte ich nach Reisekriterien aus und flog mit der Fokker 50, einer bewährten Jez-Prop-Maschine der Ethiopian Airlines nach Bahir Dar an den rund 1800 m hoch gelegenen Tanasee, aus dem der Blaue Nil unweit der Stadt ausfließt. Obwohl das Tana Hotel am Stadtrand höher eingestuft wird, steuerte ich mit Hilfe von Said, einem wendigen Tourenveranstalter das Ghion Hotel, direkt am traumhaft tropischen Seeufer gelegen, an. Der Ausblick von der Veranda des Hotels hinaus auf den See anlässlich des Empfangstees bezaubert jeden Besucher, hatte der Blick aus dem Flugzeug eher karge Bergwelt geboten.

Es war schon weit nach 10 Uhr vormittag geworden und der beauftragte Reiseführer Gyorgis mahnte zum Aufbruch mit dem Boot, sollte die Rundfahrt zur Halbinsel Zeghie, zur Insel Kebran und zum Nilursprung mit Rückfahrt nahezu 6 Stunden dauern. Das zweitaktmotorisierte Boot glitt mit gleichmäßigem Motorensurren über die fast glatte Oberfläche des Tanasees und bis zur Abfahrt fanden sich leider keine weiteren Fahrgäste ein, die den Gesamtpreis hätten mit mir teilen können. So blieben die 300 Birr, etwa 40 Euro, alleine an mir hängen. Die Anleestelle in Bahir Dar verschwand bald aus dem Blickfeld, als wir auf der 17 km langen Strecke nach Zeghie die Insel Kebran passierten. Hier sollte unser Boot auf der Rückfahrt anlegen, um das Kloster Beta Kebran Gabriel zu besichtigen. Gut, dass keine Frauen an Bord waren, denn diesen ist das Betreten von Kebran verboten.

Zunächst steuerten wir nach weit über einer Stunde Fahrzeit die Halbinsel Zeghie an und der mühsame Anstieg zur Klosterkirche ‚Uhra Kidame Mehret’ und deren Besuch ist auch Frauen gestattet.

 

Vorbei an wild wachsendem Kaffee, ständig von Familien mit Kindern umringt, die Souvenirs verkaufen wollen, erreichte ich den Hügel mit der Klosterkirche. Nach Entrichtung des Obulus’ an den wachhabenden Mönch und dem Ausziehen der Schuhe, konnte ich mir die herrlichen Kirchenmalereien von Reiseführer Gyorgis erklären lassen. Neben Marienbildern und Christusmalereien fesseln Szenen wie die Enthauptung Johannes des Täufers auf Wunsch von Salome oder wie der heilibe St. Georg den Drachen tötet, die Aufmerksamkeit des Besuchers. Besonders beeindruckt war ich von der Frische der Malereien und von der Klarheit der Konturen, sind die Kirchenmalereien doch teilweise mehrere hundert Jahre alt. Lustig fand ich, dass fast am Ende meiner kleinen Fototour durch die Rundkirche der begleitende Mönch bei der Blitzlichterneuerung die gebrauchten Batterien erbat, weil diese in seiner Taschenlampe noch gute Dienste leisten können. Das ebenfalls innerhalb des Klosterbezirks gelegene Museum zeigt ein Krönungsgewand und vier Kronen, die Kaisern ab dem 14. Jahrhundert gehört haben sollen.

Nach ausführlicher Mittagsrast legte unser Motorboot Richtung Insel Kebran ab und gut, dass ein Sonnendach über dem Boot gespannt war, denn in den Mittagsstunden sticht die Sonne mit voller Kraft auf die Wasseroberfläche herab. Die Insel wurde zügig angefahren und der aufkommende Wind machte die Bootsfahrt bereits unruhig.

 

 

Das Kloster Beta Kebran Gabriel ist eines der ältesten im Tanasee, denn schon um 1350 begann Abba Za-Yohannes von hier aus die Umgegend zu missionieren. Über viele Steinstufen erreichten wir auf der Inselhöhe das Kloster, in dem nur wenige Mönche inmitten ebenfalls männlicher Tiere leben. Das in strengem Stil der frühen Kirchen gebaute Kloster ruht auf 12 Säulen, welche die 12 Apostel symbolisieren. Eine Rekonstruktion mit rotem Sandstein fand im Jahre 1687 unter Kaiser Iyasu I. statt, und das heutige erhabene Erscheinungsbild geht auf diese Zeit zurück. Wie immer entledigte ich mich der Schuhe vor dem Betreten der Klosterkirche und ein Geldschein für die Mönche ist am Ende des Besuches selbstverständlich.

Auf meiner Bootstour konnte der Entfernung wegen Tana Cherkos nicht angefahren werden, die Insel an der Ostküste des Tanasees. Diese Insel war Jahr-hunderte der Aufbewahrungsort der Bundeslade, der Gesetzestafeln, die einstmals Moses von Gott für das Volk Israel zum ewigen Bunde erhalten hatte. Die Bundeslade soll im 4. Jh. v.Chr. von Menelik, dem Sohn König Salomons und der Königin von Saba aus dem Tempel von Jerusalem geraubt worden sein. Nun stand noch die Anfahrt des Blauen Nil-Ursprungs auf dem Plan und die mittlerweile rauhe Seeoberfläche verlangte tiefes Durchatmen und Fixieren des Horizonts, um als Landratte alles durchstehen zu können. Endlich war der Teil des Tanasees erreicht, wo der Blaue Nil ausfließt und zum Glück lag diese Stelle im Windschatten. Ein Papyrusboot mit Familie kreuzte gerade den Nilursprung, so dass der Chronist dieser Zeilen ein lebendiges Foto dieser Seestelle festhalten konnte. Dabei kam mir der Gedanke, dass man eine Kurzflugreise arrangieren müsste, die in 1 Woche den Ursprung des Blauen Nils in Äthiopien und den Ursprung des Weißen Nils in Uganda aus dem Viktoriasee bereist. Der heilige Fluß Nil rückt immer mehr ins Bewusstsein von Studienreisenden und drängt Asien- und Karibikreisen etwas in den Hintergrund.

Der wenig erfreuliche Abschluß der Überquerung der Südbucht des Tanasees zurück zur Bootsanlege-stelle bei nun stürmischer See mit Seekrankheit hätte mir erspart bleiben können. Nun verstand ich auch das Drängen des Tourenveranstalters am Morgen, sogleich abzulegen und Äthiopientoristen sei geraten, möglichst frühmorgens zur Bootsfahrt aufzubrechen.

Am anderen Morgen konnte ich mich einem Schweizer Ehepaar anschließen, das mit äthiopischen Verwandten zum Tissisat-Wasserfall etwa 35 km unterhalb des Nilursprungs gelegen, per Geländewagen aufbrach. Auf guter Pistenstraße erreichten wir Tiss Abay und von dort nach halbstündigem Fußmarsch das herrliche Naturschauspiel. Da frühzeitig aufgebrochen, war noch ein wunderschöner Regenbogen am Tissisat-Wasserfall des Blauen Nils zu sehen.

 

(c) photo: Artur Epp                   Tissisat Wasserfälle des Blauen Nils, Ethiopia

 

Augenblicklich baut ein russisches Ingenieursteam einen Staudamm mit Kanal, um die elektrische Stromerzeugung Äthiopiens zu sichern.

 

 

Bei Aktivierung des Dammes wird die Schönheit des Tissisatfalls nicht darunter leiden. Ein herrlicher Tagesausflug ging mit einem gemeinsamen Injera-Essen, dem äthiopischen Nationalgericht, das mit den Fingern verspeist wird, zu Ende.

Meine Flugexkursion durch Äthiopien sollte anderntags seinen Höhepunkt durch Besuch von Lalibela, dem Jerusalem Afrikas, finden. Die Fokker 50 der Ethiopian Airlines brachte mich

wieder zuverlässig zum Zielort Lalibela, dessen neues Flughafengebäude mittlerweile fertiggesellt ist. Zum heiligen Ort Lalibela sind es knapp 20 km und der moderne NTO-Bus mit grüner Bemalung fährt ohne Verzögerung gleich nach Lalibela auf

 

© photo: Artur Epp                            Beta Gabriel church in Lalibela, Ethiopia

 

einer ausgezeichneten, asphaltierten Straße ab. Entsprechend einem guten Rat ließ ich das ‚Seven Olives Hotel’ ansteuern, wo die freundliche Hotelleitung den Reiseführer Eshtu holen ließ. Dadurch konnte ich noch vor der 12-Uhr-Mittagspause das Wahrzeichen Lalibelas, die Beta Gyorgis Felsenkirche besuchen, bevor die Kirchenwächter zwei Stunden lang das ganze Gebiet der insgesamt 11 Felsenkirchen zuschließen.

Lalibela, das frühere Roha, ist eine einmalige Ansammlung von Felsenkichen, wobei es noch nicht endgültig geklärt ist, welcher Grund zum Bau dieser beeindruckenden Monolithkirchen geführt hat. Während seiner vierzigjährigen Regierungszeit 1167-1207 wurden die Kirchen aus gewachsenem Fels gemeisselt und eine der Legenden berichtet, Gott habe König Lalibela im Traum nach Jerusalem geführt und ihn dann aufgefordert, ein Abbild davon in Roha zu erbauen. Wegen der aufwendigen Steinarbeiten hat auch die Mithilfe von Engeln in die Legende Eingang gefunden.

Da lange vor Europa bereits im 4. Jahrhundert Teile Äthiopiens christianisiert wurden, ist eine lange christliche Tradition vorhanden. Heute ist in Lalibela ein reges kirchliches Leben im Gange und am orthodoxen Weihnachten (7. Januar) und am Timkatfest (19. Januar) Erscheinungsfest, geradezu überfüllt.

Der Gang durch die Felsenkirchen sollte auf 2 Tage ausgedehnt werden. Mein Besuch sowohl der Nordgruppe als auch der Südgruppe an einem Nachmittag hat dennoch einen tiefen Eindruck hinterlassen. Insbesondere in der Beta Maryam, wo der Davidstern an der Kirchendecke sowohl auf den schwarzen Stamm der Juden in Äthiopien schon in vorchristlicher Zeit als auch mit dem eingemalten Kreuz des Templerordens auf den geistlichen Hintergrund Lalibelas hinweist.

 

Die Errichtung Lalibelas könnte so auch mit der Eroberung Jerusalems 1187 durch Saladin zu tun haben, weil dies das Ende der Kreuzzüge bedeutete und Pilgerfahrten ins Heilige Land erschwerten. Dem Thema Lalibela sollte man einen eigenen Artikel widmen. Haften bleiben für immer die Auftritte der mittelalterlich anmutenden Priester in langen Gewändern, die das jeweils zur Felsenkirche gehörende Kreuz vorzeigen.

 

© Artur Epp: Priester präsentiert das Kirchenkreuz

Der Rückflug nach Addis Abeba kam viel zu früh, aber jede Äthiopienreise beginnt und endet in Addis Abeba. Wieder quartierte ich mich ins Mittelklasse-hotel ‚Harambe’ ein, das zur Hotelgruppe Ethiopia gehört, zumal es in Stuttgart ebenfalls ein Hotel Harambe mit Restaurant gibt.

Ein schöner Ausklang stellte der abendliche Besuch im Freundeskreis eines Lokals mit traditionellen Tänzen dar. Der lebensfrohe Gondar-Tanz eines typisch gekleideten Tanzpaars beschwingt die Gefühle und lässt die Entscheidung reifen: Hierher komme ich wieder - es gibt noch vieles zu entdecken in Äthiopien.

 

© copyright: Artur Epp,  Freier Reisejournalist, 70180 Stuttgart / Germany, Tulpenstr. 49

 

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Auch hier sind schon zahlreiche meiner Reiseberichte erschienen.

 

Abflüge für Kleingruppen ab Frankfurt  mit ETHIOPIAN AIRLINES jeden Samstag sowie laut Flugplan - individuell montags und donnerstags.

  

 

Artur Epp vor Felsenkirche Beta Gabriel

 

Weitere Informationen bei:

+ Äthiopische Botschaft (Ethiopian Embassy)

   Boothstr. 20a, 12207 Berlin